Schrottgrenze (Support Ferien auf der Ratiofarm)

Konzert (Power-Pop & queerer Punkrock)

Freitag, den 14. April 2023 - 20:00
Kulturzentrum Schlachthof Kassel, Mombachstrasse 12, 34127 Kassel

AK: 19 € / AK ermäßigt: 15 € / VVK: 15 € / VVK ermäßigt: 15 € Tickets kaufen

Bild Künstler

Zwischen Rockfestivalbühnen und Dragshow. Zwischen Punkrockgitarren und eingängigen Popmelodien. Zwischen kleinen Alltagsgeschichten und unmissverständlichen Statements. Überall dazwischen bewegt sich die Hamburger Band Schrottgrenze. Mit dem viel beachteten Album Glitzer auf Beton öffnete die bereits 1994 gegründete Band 2017 ein neues Kapitel. Denn es war nicht nur ein Comeback nach sieben Jahren Pause, sondern auch das erste Album nach dem späten Coming Out von Sänger Alex. Von nun an bearbeiteten Schrottgrenze ein überraschend unbearbeitetes Feld in der Indieszene: queere Themen. Fragen werden gestellt nach kritischer Männlichkeit, Geschlechterrollen, Heteronormativität, Freiräumen, Rassismus und Antisemitismus. So heißt es in Traurige Träume: „Wie der Humanismus hier zerfällt/Und wenn diese Welt /Wirklich zerfällt/hilft dir auch kein Beten und kein nach unten treten.“ Da stellt sich nur noch die Frage: Punk? Pop? Rock? Indie? Egal! Denn genau so wie sich Sängerin Saskia Lavaux in kein Rollenklischee drängen lassen möchte, haben sich auch die Musiker Timo Sauer, Hauke Röh und Benni Thiel jeder musikalischen Schublade verweigert. Power-Pop oder Indierock sind vielleicht die Begrifflichkeiten, auf die man sich bei Schrottgrenze einigen kann, wenn es schnell gehen muss. Schrottgrenze gelingt der Spagat, den kaum jemand hinbekommt: Ihre Lieder funktionieren gleichsam in der queeren Bar, auf der Antifa-Demo oder bei der Erstsemster-Party. Man kann zu ihnen die Faust recken, man kann dazu knutschen oder einfach nur feiern.

Begleitet werden Schrottgrenze von der Band Ferien auf der Ratiofarm aus Frankfurt am Main. Kritische deutsche Texte, Tsunami-Gitarrenwände,
Punkrock/Alternative - Schlagzeuger Benni Thiel (Duchamp, Schrottgrenze, Jochen Distelmeyer), Sänger und Gitarrist Stefan Becker (The Swipes, Psycho Gambola, The Swoons), Gitarrist Boris Werth (Colourful Grey) und Bassist Thorsten Kolotzek (Das Actionteam) starteten 2021 ihre Idee von Punkrock mit anspruchsvollen deutschen Texten. Es geht um Tote im Mittelmeer, Tote in der Ukraine, einen Planet kurz vor dem Kollaps, eine Globalisierung ohne Grenzen, die moderne Sklavenkaste des Niedriglohnsektors, die Entfremdung der Gesellschaft. Plattitüden und Geschrei sucht man dabei vergeblich, die Frankfurter bewegen sich musikalisch wie textlich in der Tradition deutscher Alternativ- und Punkrockbands von den Boxhamsters über Turbostaat und Muff Potter bis zu Bernd Begemann, But Alive und Kettcar. Dabei entfalten sich die Songs der Farm ganz so, als wäre man mit ihnen aufgewachsen: Kaum in der Ohrmuschel angelangt, werden sie zum Teil der eigenen DNA.

Foto: Chantal Pahlsson-Giddings

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