Zeit für Klarheit

Erfolgreicher Hip Hop aus dem Schlachthof

Für Yilmaz ist es darum Zeit für Klarheit. So hat er seine Hip-Hop-Crew genannt, die mit einigen Vorurteilen aufräumen will. Etwa dem, dass Moslems eine Bombe unter dem Mantel tragen, um die Ungläubigen in die Luft zu sprengen.

In „Die Welt“, dem ersten Song von Zeit für Klarheit, heißt es:

„Ich hab da mal ’ne Frage / Wieso werden wir behandelt wie ’ne Plage / Ist es unsere Haarfarbe / Die Kleidung, die wir tragen / Unsere Redensart oder das, was wir sagen / Oder dass wir nicht still sind, sondern klagen.“

Seitdem das Quintett den Track vor drei Wochen kostenlos auf seine Webseite gestellt hat, wurde er bereits 500-mal runtergeladen. Das ist beachtlich für eine Gruppe, die sich erst im November im Kulturzentrum Schlachthof zusammengefunden hat. Yilmaz, der sich AliGator nennt, rappt bereits seit der fünften Klasse. Bei Zeit für Klarheit gibt der Wirtschaftsstudent den Ton an. „Ali hat das Feuer in uns entfacht“, sagt Murat Dastan alias El’do.

Single mit viel Soul

In kürzester Zeit haben sie mehrere Songs geschrieben, einen denkwürdigen Auftritt vor der etablierten Kasseler Kunstszene beim Fest des Kulturnetzes hingelegt und eine Freundin als Sängerin für „Die Welt“ engagiert. Ihre Stimme macht das Lied sehr soulful. Es ist bezeichnend, dass die Gastsängerin ihren Namen nicht nennen will.

Ich kiffe nicht, ich sniffe nicht, ich trinke nicht

Auch Zeit für Klarheit „wollen nicht berühmt, sondern gehört werden“, wie Maksim Grigorskewski sagt, der moldawische Wurzeln hat. Die Musiker passen in keine Schublade. Für populäre Gangstarapper wie Bushido und Massiv haben sie nur ein müdes Lächeln übrig. „Wir wollen nicht einen auf harte Straße machen, sondern eine Message rüberbringen“, sagt Yilmaz.

Und die ist klar, wenn man AliGator rappen hört: „Ich kiffe nicht, ich sniffe nicht, ich trinke nicht.“ Sie versuchen nach dem Koran zu leben: Alkohol und andere Drogen, Gewalt und ständige Frauengeschichten sind tabu. - Yilmaz, Dastan, Grigorskewski, Onur Duran und Fatih Özlü sind zwischen 16 und 19, aber wenn sie über ihre Message reden, sagen sie Sätze wie: "Die Jugend von heute ist total verdreht".

Und: Wer Gangstarap macht, zieht Gangster heran. „Ich will nicht, dass mein kleiner Bruder auch so wird“, sagt der 16-jährige Duran. Wir wollen, dass es mehr Rapper wie Zeit für Klarheit gibt.