Stellungnahme zur Diskussion um unser Public Viewing

Die Ankündigung unseres Public Viewings hat für Diskussionen gesorgt. Der Verzicht auf Fahnen im Boreal hat bei uns schon lange Tradition und wird von unseren Besucher*innen regelmäßig als tolle und friedliche Atmosphäre wertgeschätzt. Am Sonntag haben über 200 Gäste aus unterschiedlichsten Nationen gemeinsam in unserem Biergarten den fulminanten Start der deutschen Mannschaft ins Turnier gefeiert. Uns ist wichtig zu betonen: Wir unterstellen nicht, dass jede Person, die eine Länderfahne mitbringt, nationalistisch denkt oder handelt. Gerade bei großen Sportereignissen sind Fahnen für viele Menschen zunächst ein Ausdruck von Unterstützung, Freude und Zugehörigkeit. Als soziokulturelles Zentrum mit dem Schwerpunkt Migration bieten wir jedoch Räume für Menschen, die häufig ihre Heimat aufgrund ihrer Herkunft oder Abstammung verlassen mussten. Auch beim Public Viewing stellen wir deswegen das Miteinander der Kulturen in den Vordergrund.

Unsere Entscheidung richtet sich also nicht gegen einzelne Fans oder gegen bestimmte Länder. Ein Post wurde von uns gelöscht bzw. geändert, weil wir festgestellt haben, dass die Formulierung missverständlich war und den Eindruck erwecken konnte, als richte sich unsere Regel speziell gegen Deutschland oder gegen deutsche Fans. Das war nicht unsere Absicht. Es geht uns vielmehr darum, einen Raum zu schaffen, in dem sich alle Menschen möglichst wohl und sicher fühlen. Nationale Symbole können — je nach Kontext — sehr unterschiedlich gelesen werden. Für manche sind sie harmloses Fan-Accessoire, für andere können sie ausgrenzend, einschüchternd oder politisch aufgeladen wirken. Um diese Ambivalenz gar nicht erst entstehen zu lassen, haben wir uns für diese klare und einheitliche Regel entschieden.

Gesellschaftliche Entwicklungen spielen natürlich eine Rolle dabei, wie Symbole wahrgenommen werden. Nationale Fahnen sind nicht per se problematisch, aber sie stehen heute in einem anderen gesellschaftlichen Kontext als beispielsweise noch während der WM 2006. Viele Menschen nehmen wahr, dass nationale Symbole stärker politisch aufgeladen sind und auch von rechten oder rechtspopulistischen Akteur*innen vereinnahmt werden. Unsere Entscheidung ist dabei keine parteipolitische Stellungnahme sondern Ausdruck unseres Selbstverständnisses: Wir möchten ein offener, vielfältiger und diskriminierungssensibler Veranstaltungsort sein. Gemeinsam zu feiern und auch stolz auf die eigene Mannschaft zu sein, ist überhaupt kein Problem. Wir bitten lediglich darum, diese Unterstützung ohne Nationalflaggen auszudrücken.

Hier findet ihr den Beitrag der Hessenschau zum Thema vom 16.06.2026 auf Youtube verlinkt.