46von100 – Geschichten gegen Einsamkeit und für Begegnungen
Mit Einsamkeit ist man nicht allein: 46% der 16- bis 30-jährigen gaben in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung an, von Einsamkeit betroffen zu sein. Mit dem Projekt 46von100 möchten wir die Geschichten und Erfahrungen junger Menschen mit dem Thema Einsamkeit sammeln und sichtbar machen.
Deshalb sammeln wir auf dieser Website eure Texte rund um das Thema Einsamkeit. Einige dieser Beiträge werden als Plakate gestaltet und auf einer besonderen Plakatwand zwischen Zentralmensa und Pavillon auf dem Campus der Universität Kassel (Holländischer Platz) in einer ständig wechselnden Ausstellung präsentiert. Alle eingereichten Texte veröffentlichen wir außerdem hier online.
Im zweiten Schritt sollen die geteilten Erfahrungen verbinden: Auf Basis eurer Geschichten entwickeln wir offene Veranstaltungsformate, die das Thema Einsamkeit künstlerisch aufgreifen und Raum für Begegnung und Austausch schaffen. Die Veranstaltungen werden im Veranstaltungskalender des Kulturzentrum Schlachthof sowie auf den Instagram-Kanälen von Hier im Quartier und der Katholischen Hochschulgemeinde angekündigt.
Schickt uns hier eure Geschichte:
Hinweise zu den Initiatoren
Das Projekt 46von100 ist eine gemeinsame Aktion von Hier im Quartier (Kulturzentrum Schlachthof) und der Katholischen Hochschulgemeinde Kassel. Sie wird von der Hochschulgemeinde sowie aus dem Haushalt der Stadt Kassel finanziert und findet mit freundlicher Unterstützung der Universität Kassel statt.
Kontakt und weitere Informationen:
- Gerrit Retterath und Daniel Krooß: hallo@hier-im-quartier.de
- Sibylle Lachmitz und Benedikt Ströher-Eisenach: khg@uni-kassel.de
Einreichungen
Hier findet ihr die bisherigen Einreichungen in chronologischer Reihenfolge.
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Louisa Thon
Durch die mit dickem Staub besetzten Fenster fällt nur wenig Licht in deine schrumpfende Wohnung. Der modrige Geruch der ungenutzten Abflüsse setzt sich in jeder Rille, jeder Diele, jedem Loch fest und dringt immer tiefer in deine Poren. Du versinkst noch eine ganze Weile in deiner durchgelegenen Matratze, bevor du dich aufrichtest und den Weg zum Badezimmer beschreitest. Durch einen Riss in der Wand, schaut ein Silberfisch hervor, der sich vorsichtig den spinnenbeinähnlichen Haaren auf den vergilbten Fliesen nähert. Das Wasser rauscht durch die alten Rohre, als du die Spülung betätigst. Beim Aufdrehen des Wasserhahns zischt es. Du schaltest das Licht des Badezimmerspiegels ein, blickst in dein eingefallenes Gesicht und schaltest es wieder aus. Dein Anblick scheint auch den Silberfisch zu erschrecken, der sich zurück in seinen Unterschlupf rettet. Nach einem kurzen Austausch mit dem Wasser, der zu gering ist, um von einer Katzenwäsche zu sprechen, ziehst du die quietschende Milchglastür des Badezimmers auf und begibst dich in die Küche. Auf dem Weg durch den Flur schleifst du deine Füße über die knarrenden dunkelbraunen Holzdielen, wie jeden Mittag. Das Dröhnen der alten Kaffeemaschine, die vor den fettbefleckten grünen Küchenfliesen steht, übertönt kurzzeitig die tickende Uhr an der Wand. Du schiebst die vertrocknete Pflanze zur Seite, schaust durch das schmutzige Küchenfenster hinaus in den Hinterhof und kneifst die Augen zusammen, bevor du die Gardinen zuziehst. Anstatt einen der beiden ungenutzten Stühle auszuwählen, lässt du dich auf den mit dem kaputten Stuhlbein fallen und gähnst. Dein Atem riecht faul. Beim gierigen Hinunterschlingen deines Filterkaffees, der deine Zunge verbrennt und sie ertauben lässt, kratzen deine unteren Schneidezähne über das Porzellan. Du stellst die Kaffeetasse wieder unter die Maschine, wo sie bis zum nächsten Mittag stehen wird. Die Spüle ist übersät von ungewaschenem Geschirr, auf dem sich Schimmelsporen ausbreiten. Als du dich ein zweites Mal auf den Stuhl fallen lässt, knackt das hölzerne Stuhlbein leise. Wie lang wird er deine Last noch tragen? Dein Zeigefinger tippt zum Takt der Uhr auf den Tisch und du wartest auf etwas, das nicht kommt. Mit hängenden Schultern schleppst du dich durch den Flur und siehst schnelle Schatten an deiner Eingangstür vorbeihuschen. Dein nackter Fuß, der nur von deiner übergroßen braunen Fleecehose bedeckt wird, bleibt auf der knarrenden Diele stehen. Als du dich umdrehst, sind die Schatten längst verschwunden. Du gehst weiter, vorbei an den verstaubten Büchern, dessen Figuren tot im Regal liegen. In der Mitte deines Wohnzimmers steht das alte weinrote Sofa. Die Risse, die sich so tief in das Leder graben, wie die Falten in dein Gesicht, lassen erahnen, wie viele längst vergessene Gäste es schon gesehen hat. An der unteren linken Ecke des Sofas ragt das Holzgestell heraus. Deine Katze hatte ihren Kratzbaum nie gemocht. Im aufgerissenen Leder hängt noch eine Kralle. Eine Träne fließt aus deinen müden trüben Augen die tiefen Falten entlang und mündet auf dem viel zu großen braunkarierten Hemd, dass den beißenden Gestank deiner Wohnung in jeder Faser verinnigt hat. Du sinkst zu Boden und starrst die dicken Spinnenweben an deiner Decke an, als die Türklingel schrill ertönt. Schneckenartig bewegst du dich Richtung Eingangstür und ziehst dich langsam an der Türklinke hoch. Du öffnest die Tür nur so weit, wie es dir die Sicherungskette erlaubt und musterst mit einem Auge den Mann, der sich nun einen kleinen Schritt von dir entfernt und die Augenbrauen zusammenzieht. „Ihr Briefkasten ist voll.“, sagt er, als er dir drei Briefe entgegenhält. Du hebst langsam deinen knochigen Arm und streckst ihn durch den Spalt hinaus. Deine langen Fingernägel kratzen kurz an seiner Hand, was ihn noch weiter zurückschrecken lässt. Du schließt die Tür und hörst seine schweren Schritte die Treppe hinuntergehen, als du einen Blick auf die Absender wirfst. Stromanbieter, Werbung für Waschmittel inklusive Gutschein für 2 in 1 Aktion und eine Postkarte deiner Schwester. Das schrille Geräusch deiner Klingel pfeift ein zweites Mal durch deine Ohren. Du öffnest die Tür erneut einen Spalt breit und schaust hinaus. „Brauchen Sie Hilfe?“, fragt der Mann von eben und schaut dich erwartungsvoll, aber noch immer mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Sein Adamsapfel bewegt sich, als er angespannt den Speichel in seinem Mund sammelt und kaum überhörbar herunterschluckt. Du lässt die Tür ins Schloss fallen, vor der er noch einen Moment wartet. Als sich seine Schritte dieses Mal langsam auflösen, kommt er nicht zurück. Dein Magen knurrt. Auf dem Weg zurück in die Küche, rutscht dir beinahe die Hose über das dürre Becken. Du öffnest einen der Schränke, in den du instinktiv hinter das Mehl greifst, um an das Dosenfutter zu kommen. Deine heutige Ausbeute ähnelt der gestrigen: Erbsen-Eintopf mit Würstchen. Vielleicht erwischst du morgen die Ravioli in Tomatensoße. Du holst eine der letzten sauberen Schüsseln aus dem Schrank und füllst den Eintopf hinein. Als das letzte Stück Kartoffel aus der Dose in die bräunliche Brühe fällt, landet ein Spritzer davon auf deiner Wange. Hungrig versuchst du ihn mit deiner Zunge zu erreichen und wischst ihn letztendlich mit deinem Ärmel weg. Beim Öffnen der Mikrowelle kommt dir der Geruch der gestrigen Erbsensuppe entgegen. Du schiebst den frischen Eintopf hinein, drückst auf den schmierigen Knöpfen herum und wärmst dich für einen Moment in dem Licht der Mikrowelle. In der Mülltonne entdeckst du Maden, die sich durch die fleischlichen Überreste fressen. Es wirkt wie eine Schlacht um Leben und Tod. Vorsichtig hebst du mit deinem Zeigefinger eine aus dem Gedränge heraus und setzt sie auf die andere Seite des Tisches. Als das schrille Piepen der Mikrowelle ertönt, greifst du in die Schüssel hinein und fischst ein Würstchenstück heraus. Du legst es vor sie auf den Tisch, durch das sie sich schnell und unbeholfen schlängelnd hindurchkämpft. Der heiße Dampf der Brühe vermischt sich mit dem Schweiß in deinem Gesicht. Du erinnerst dich wieder an die Briefe und trottest zurück in den Flur, wo sie noch immer vor der Tür liegen. Du lässt dich auf den Boden sinken und betrachtest die Postkarte deiner Schwester. Auf dem Bild, das eine Hälfte der Postkarte schmückt, ist sie zusammen mit ihrer Familie auf dem Grote Markt zu sehen. Die Sonne scheint in ihr schönes zartes Gesicht, welches von einem großzügigen Lächeln verziert wird. Ihr Mann, ein bärtiger Mann mit einladendem Blick, hält die beiden Jüngsten auf seinen Schultern und grinst Richtung Kamera. Das Mädchen an seiner rechten Seite streckt naserümpfend die Zunge raus und lässt ihren Zeige- und Mittelfinger hinter dem Kopf ihres älteren Bruders hervorragen, der, wie für einen Jungen in seinem Alter üblich, beschämt und etwas gezwungen zwischen seinen Eltern steht und in die Kamera lächelt. Das Mädchen in seinem linken Arm hält mit ihren kleinen Händen das Gesicht ihres Vaters fest und legt ihren Kopf grinsend auf seine beginnende Glatze. Du liest: „Wir senden dir liebste Grüße aus Belgien! Die Kinder sind genauso verrückt nach der Schokolade wie wir früher. Die in Form von Meeresfrüchten. Erinnerst du dich? Es war doch immer so schön am Strand. Wie kommst du denn mit der Arbeit voran? Wahrscheinlich steckst du total im Chaos und findest kaum noch Zeit für dich. Aber ich würde mich so freuen mal wieder von dir zu hören! Melde dich! Bis ganz bald.“ Der Geschmack der Schokolade deiner Kindheit legt sich auf deine Zunge und du fühlst für einen kurzen Moment die Sorglosigkeit, die du beim Blick auf das dir unendlich scheinende Meer am Strand gefühlt hast. Du hörst das Rauschen der Wellen, spürst den Sand unter deinen Füßen davonweichen, hörst den Wind die schönsten Melodien durch das Dünengras pfeifen, spürst ihn durch deine Haare streichen und wie sich die Sonne liebenswürdig an dein Gesicht schmiegt. Diese unendlichen Möglichkeiten, die Träume, die du einst hattest. Dein Herzschlag erhöht sich und du merkst wie etwas auf deine Lunge drückt. Dein Brustkorb zieht sich zusammen. Die Hitze steigt dir in den Kopf. Du reißt deine Augen auf und lässt die Postkarte neben dich zu den anderen Briefen fallen. Hinter dir huschen erneut Schatten an der Eingangstür vorbei. Fünf oder vier. Du kannst sie nicht zählen. Das Geräusch der trampelnden Kinderfüße und das freudige Quieken ihrer Kinderstimmen, wenn sie die letzten drei Stufen der Treppe herunterspringen, dröhnt mit aller Gewalt durch deinen Körper. Du rennst mit deinen nackten Füßen über die knarrenden Dielen, die dir lauter erscheinen als noch vor wenigen Stunden, und stößt die Tür zum Bad auf, bevor du deinen Kaffee wellenartig erbrichst. Deine öligen Haare kleben auf der Kloschüssel, während sich die braune Brühe in der Toilette verteilt. Zweimal hörst du die dicke Fliege noch brummen, die sich immer wieder gegen die Fensterscheibe schmeißt, bis sie kraftlos zusammenbricht und neben den anderen vertrockneten Fliegen auf dem Fensterbrett landet. Du winselst beim Aufstehen und betrachtest mit deinen blutunterlaufenen Augen ein letztes Mal die Person im Spiegel. Durch das Fenster deines Wohnzimmers hörst du die Nachbarskinder schreien, die gerade noch Schatten an deiner Eingangstür waren. Du taumelst nach Luft schnappend rüber zum Fenster, vorbei an den bröckelnden Wänden, blickst mit lichstarren Augen hinaus und beschließt auch die letzte Frischluftquelle deiner Wohnung zu schließen.
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Anonym
Nordstadt.
Ein Viertel, das mehr hört als spricht.
Backstein atmet hier noch die Wärme vergangener Tage, und zwischen den Häusern sammelt sich etwas, das man Hoffnung nennen könnte, wenn man ein Wort dafür braucht.
Am Rand der Uni, dort wo der Kaffee bitter genug ist, um wach zu halten, sitzt jemand am Fenster. Architekturstudent*in, vielleicht. Oder nur ein Körper, der Linien zeichnet, während draußen Menschen vorbeiziehen wie Skizzen auf Transparentpapier. Häuser werden entworfen, die ineinandergreifen sollen, Zimmer, die sich öffnen, Treppen, die einander begegnen. Gemeinschaft als Grundriss.
Und doch: In der Mitte dieser Zeichnungen bleibt ein weißer Fleck.
Einsamkeit ist ein Raum, den man selten einplant.
Das Café trägt einen Namen wie ein Sturm, aber drinnen ist es still genug, um Gott zu überhören. Oder ihn gerade deshalb wahrzunehmen. Er sitzt nicht am Tisch, nicht im Gespräch. Er ist das Dazwischen. Der Moment, wenn zwei Tassen sich fast berühren. Wenn jemand aufblickt und spürt: Ich bin nicht allein, obwohl niemand spricht.
Abends kippt die Stadt.
Die Nordstadt wird weich. Lichter lösen sich aus den Fenstern und fallen auf den Asphalt. In einer Kneipe, die mehr Mutter als Ort ist, sitzt eine Ansammlung von Seelen. Studierende, Gestrandete, Suchende. Stimmen legen sich übereinander wie Schichten eines Hauses, das nie fertig wird.
Jemand erzählt von früher. Jemand schweigt sehr lange.
Rettung geschieht hier nicht laut. Sie kommt in Form eines Nicks. Eines geteilten Glases. Eines Satzes, der nicht zu Ende gesprochen wird.
Zwischen Zapfhahn und Musik sitzt ein Mensch, der aussieht, als hätte er zu viel gesehen, um noch überrascht zu sein — und genau deshalb alles erkennt.
„Ihr baut Häuser“, sagt er leise, „aber wohin legt ihr das Vertrauen?“
Die Frage bleibt stehen wie Rauch.
Draußen zieht Nacht durch die Straßen.
Hinterhöfe öffnen sich, unerwartet. Gemeinschaft entsteht dort, wo niemand sie geplant hat. Menschen stehen zusammen, ohne Grund, ohne Entwurf. Und plötzlich ist da dieses Gefühl: getragen sein.
Nicht gerettet im großen Sinn.
Gerettet für diesen Augenblick.
Vielleicht ist Gott genau das:
kein Ziel, sondern ein Durchgang.
Kein Fundament, sondern ein Raum, der sich öffnet, wenn Menschen bleiben, obwohl sie gehen könnten.
In der Nordstadt weiß man das.
Man spricht nicht darüber.
Man lebt es — flüchtig, brüchig, gemeinsam.
Und irgendwo zeichnet jemand weiter an Häusern, die das aushalten können. -
Miriam Schönhoff
/ Die Wand und ich /
Rauschen.
Und aus dem Rauschen wird Murmeln.
Und aus dem Murmeln werden bunte, runde Flecke, die T-Shirts, Jeans, Jacken, Hosen tragen.
Sie werfen mir ihre Blicke zu. Manche auch nicht und gehen einfach vorbei.
Ich sehe sie lachen und fühle mich plötzlich so fremd.
,,Da gibt es nichts zu lachen!" möchte ich schreien, aber meine Lippen kleben fest aufeinander wie Kaugummi.
Und wenn mein Kaugummi einen Geschmack hätte, dann wäre es einer, der bitter schmeckt.
Bitter- so wie das Gefühl, wenn ich nicht weiß, was ich sagen soll.
Ich habe diesen Satz schon so oft gelesen, aber die Bedeutung spürt man erst, wenn es wirklich so ist.
Der Schmerz macht den Kopf leer.
Noch schlimmer ist er, wenn da so viel ist, was man eigentlich zu sagen hätte.
Man sendet falsch.
Es kommt nicht an.
Ich habe mir immer anders Mühe gegeben.
Aber das Ergebnis blieb dasselbe.
Da ist eine unsichtbare Wand, gegen die ich renne.
Und egal, welches Werkzeug ich benutze, es gibt keinen Weg, sie zu durchbrechen.
Es gab Tage, da habe ich davon geträumt, anderen zeigen zu können, was ich fühle.
In allen Facetten habe ich es mir ausgemalt.
Jedes Mal bin ich danach tiefer gefallen.
Der Realität zum Opfer.
War mehr außer dem Irdischen. und trotzdem ein Teil des Gesamten.
Mit zwei Beinen in zwei Welten.
Nach außen zu wenig, nach innen zu viel.
Im Schatten der Nacht habe ich gesessen und endlich selbst keinen Schatten mehr geworfen. Die Stille wurde Freund und Feind.
Und während die Menschen um mich herum im Licht ihre Kaffee-to-Go-Becher tauschen, auf TikTok scrollen und sich über die neuesten Reactions unterhalten, stehe ich noch immer im Schatten meiner Wand und schlage lautlos gegen das zentimeter-dicke Sicherheitsglas.
Ich weiß, dass es nicht brechen wird.
Aber wenn ich mich nicht zwinge zu hoffen, verliere ich mich.
Vielleicht werde ich dann selber die Wand.
Werde eins mit der Stille, ohne dass jemals mein Innen ins Außen tritt.
Im denkwürdigsten Fall ist die Wand das Cockpit eines Raumschiffes gewesen, an dessen Scheibe ich einfach zu nah stand und ich habe die Außerirdischen hinter mir nicht gesehen, die genauso verzweifelt versucht haben,
das Murmeln zu verstehen.
Ja, ich glaube, damit könnte ich leben. -
Zeynep A.
So richtig einsam habe ich mich das letzte Mal während meines Auslandsemesters gefühlt. Mein Spanisch war sehr schlecht und es fiel mir sehr schwer Anschluss zu finden. Das schlug ganz schön auf mein Selbstbewusstsein und ich kam auch an der Uni kaum noch hinterher. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit meinen Freundinnen und der Familie nicht wirklich drüber reden konnte, dass ich mich einsam fühle. Barcelona ist so eine Traumstadt – die meisten waren neidisch, dass ich dort sein konnte. Doch auch in den schönsten und belebtesten Städten kann man sich ganz schön einsam fühlen. Ich fing dann irgendwann nebenbei in einem Café an und das war tatsächlich der Moment, ab dem es nach und nach bergauf ging. Ich lernte an der Arbeit Menschen kennen, die mich ermutigten Spanisch zu sprechen und mich mit einluden, wenn sie gemeinsam was unternahmen. Manchmal braucht es nur kleinere Gesten um sich gesehen zu fühlen.
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Anonym
Ich gehe nicht gerne in Bars, weil es mir dort zu voll und laut ist und ich Alkohol nicht mag. Ich bin eigentlich sehr gerne auch alleine und genieße es auch, wenn ich einfach mal für mich sein kann. Doch manchmal schwankt es echt von hier auf jetzt um. Ich sehe auf Insta was meine Freunde gerade so treiben und ich frage mich, ob irgendwas falsch mit mir ist, warum ich nicht einfach Spaß haben kann wie die anderen. Und dann ärgere ich mich über mich selbst.
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Susanne Z.
Mir fällt es oft schwer auf Menschen zu zugehen und gerade in größeren Menschenmengen fühle ich mich oft überfordert. Ich brauche einfach Zeit, bevor ich vor neuen Menschen auftaue. Ich habe gute Freund*innen, in deren Gegenwart ich mich sehr wohl fühle, aber im Alltag fühle ich mich trotzdem auch oft einsam.