Stirbt ein geliebter Mensch, kommen zur Trauer oft auch finanzielle Sorgen. Gestiegene Preise in allen Lebensbereichen verschärfen diese Situation – für Menschen mit geringen finanziellen Mitteln kann ein würdevoller Abschied so schnell zur kaum bewältigbaren Belastung werden. Mit einem neuen Angebot möchte das Kulturzentrum Schlachthof genau hier ansetzen: Ab September laden wir in den Räumen des Karo-Cafés zu bezahlbaren Trauerfeiern ein.
Ein Angebot, das sich auf das Wesentliche konzentriert
In gemütlicher Atmosphäre können im Karo-Café bis zu 20 Personen zusammenkommen, um in direkter Nähe der Friedhofskapelle des Hauptfriedhof Kassel in Ruhe der Verstorbenen zu gedenken. Um das Angebot pietätvoll und zugleich bezahlbar zu gestalten, wird der Fokus hier bewusst auf das Wesentliche gelegt.
„Gerade im Kasseler Norden, wo viele Menschen mit wenig Geld auskommen müssen, darf ein würdevoller Abschied keine Frage des Kontostands sein. Bei uns kommen Menschen aus vielen Kulturen und mit ganz unterschiedlichen Trauertraditionen zusammen – wir möchten einen Ort schaffen, an dem all das seinen Platz hat“, so Mirko Zapp, Geschäftsführer des Kulturzentrum Schlachthof.
Möglich wird das Angebot durch ehrenamtliches Engagement. Ein kleines Team von Freiwilligen übernimmt die Betreuung der Trauergesellschaften vor Ort und schafft einen persönlichen Raum zum Abschied nehmen.
„Ohne unsere Ehrenamtlichen wäre dieses Angebot nicht möglich. Mit viel Feingefühl schaffen sie einen Raum, in dem Menschen gemeinsam trauern, Erinnerungen teilen und in Ruhe der verstorbenen Person gedenken können“, so Daniel Krooß, Mitarbeiter des Kulturzentrum Schlachthof.
Das Angebot im Karo-Café:
- Ein gemütlicher Gastraum für bis zu 20 Personen
- Kaffee, Tee, Wasser und Säfte
- Leckerer Kuchen einer lokalen Bäckerei
- Frische Blumen
- Empathische Vor- und Nachbereitung
- Vor-Ort-Betreuung durch Ehrenamtliche
Für eine Trauerfeier bis 20 Personen wird ein pauschaler Unkostenbeitrag von 380 Euro erhoben.
Vom Windtelefon zur Trauerfeier
Ein Anstoß für das neue Angebot entstand über das Windtelefon – einen neuen Ort des Trauerns auf dem Kasseler Hauptfriedhof. Über das Windtelefon, eine Kooperation des Kulturzentrum Schlachthof mit dem Museum für Sepulkralkultur und der Kasseler Friedhofsverwaltung, kam das Kulturzentrum unmittelbar mit dem Thema Trauer und den Bedürfnissen und Sorgen von Trauernden in Berührung. Hieraus entstand die Idee die eigenen Räume günstig für Trauerfeiern zur Verfügung zu stellen.
Das Windtelefon ist eine ehemalige Telefonzelle auf dem Hauptfriedhof, die Trauernden einen geschützten Raum bietet, an dem ihre Trauer und ihre Erinnerungen einen Platz finden können. Die Idee stammt aus Japan: Nach dem Tod seines Cousins installierte der Künstler Itaru Sasaki 2010 eine nicht angeschlossene Telefonzelle in seinem Garten, um über den Wind mit dem Verstorbenen zu sprechen. Nach dem Tsunami 2011 öffnete er den Ort für Besucher*innen. Das „Kaze no denwa“, das Windtelefon, wurde landesweit zur Anlaufstelle für Trauernde. Heute gibt es weltweit hunderte Windtelefone – das zweite in Deutschland steht in Kassel.
Anfragen und Mitwirkung
Das Angebot der Trauerfeiern startet im September. Anfragen sind ab sofort möglich unter: vermietung@schlachthof-kassel.de
Wer sich in Zukunft ehrenamtlich in das Projekt einbringen möchte, wendet sich gerne an Daniel Krooß: d.krooss@schlachthof-kassel.de